Freitag, März 13, 2026

Rezept: Audio-Plugins in Carla unter Linux zu externer MIDI-Clock synchronisieren

carla-sync-proper.png

Problem: Im Plugin-Host Carla unter Linux soll ein Audio-Plugin, z.B. ein Delay synchron zu einem externen Gerät laufen, das sein Tempo per MIDI Clock kommuniziert. Carla scheint aber irgendwie mit MIDI Clock nichts anzufangen.

Hintergrund-Info: Carla nutzt Jack als Audio- und MIDI-Backend unter Linux. Jack transportiert keine MIDI-Clock-Messages über sein MIDI-System. Außerdem können viele Plugins gar nicht zu MIDI Clock synchronisieren, sondern nur zu „Host”, was heißt: Das Tempo des Plugin-Hosts. Das Tempo, das Carla annimmt und weitergibt, heißt Jack Transport. Ob nun Pipewire oder der alte Jack dahinter stecken: Wenn der Transport läuft, dann synchronisiert Carla darauf (aber: Siehe Achtung, Falle weiter unten), und wenn ein Plugin dann auf Host synchronisiert, ist es im Takt.

Lösung: Der Jack Transport muss auf die externe MIDI-Clock synchronisiert werden. Das kann mit dem Kommandozeilen-Hack midi-clock-jack-bridge geschehen. Ist das Tool installiert und in Betrieb, so muss der entsprechende MIDI-Eingang noch damit verkabelt werden – da das klammheimlich nicht über Jack MIDI, sondern ALSA MIDI passiert, geht die Clock an das Tool durch. Das bringt den den Jack Transport auf Trab und fertig ist die Laube.

Achtung, Falle: In der Welt von Jack kann es nur einen Transport Master geben. Und Carla will selbst der Master sein. Daher funktioniert die Lösung nur, wenn man zuerst midi-clock-jack-bridge startet und dann Carla. Dann sieht Carla von seinem Anspruch ab. Es kann außerdem sein, dass Carla das Tempo nicht korrekt anzeigt, solange kein Plugin die Synchronisation in Anspruch nimmt.

Pfeifendraht, galore: Diese Lösung habe ich auch erfolgreich mit Pipewire 1.4.10 getestet, was auf neueren Linux-Distributionen Jack ersetzt und zugleich vollständig kompatibel zu Jack sein will – die Anwendungen merken also nix.

Der Screenshot oben zeigt Carla und midi-clock-jack-bridge in Aktion, wobei sich das TAL DubX Delay-Plugin zum Tempo synchronisiert. (Randnotiz: Das Plugin Decent Sampler ist sehr angenehm, und es gibt viele spannende kostenfreie Sample-Bibliotheken dafür!) Der untenstehende Screenshot zeigt die virtuelle Patchbay Patchance, und die Verkabelung des USB-MIDI-Eingangs mit der Bridge.

So richtig traue ich der Lösung noch nicht, es fühlt sich hacky wacky an. Hat jemand einen Tipp, wie man die Lösung bombensolide gestalten könnte?

patch-clock-sync.png

Montag, März 2, 2026

Kein Rezept: Windows 11 PC an Blackmagic ATEM Television Studio HD Videoswitcher

Problem: Ich schließe einen modernen PC mit Windows 11 an einen älteren Bildmischer an, nämlich an den Blackmagic ATEM Television Studio HD. Es kommt kein Bild, egal was ich mache.

(Nicht-)Lösung: Eigentlich genügt es, am PC genau die gleiche Bildwiederholrate und Auflösung einzustellen, wie am ATEM Studio HD. Der Switcher hat keine Framerate-Konverter und auch keine Scaler, er braucht es also genau auf den Punkt. Das liefert Windows 11 aber unter Umständen gar nie – die Ursache ist unklar, es könnte sein, dass Windows bei unklarer oder unvollständiger EDID vom Switcher immer 60Hz oder immer 4k ausgibt.

Nicht-Workaround: Einen zweiten Bildschirm am PC anschließen. Über Windows+P die Bildschirme duplizieren und auf dem zweiten Bildschirm dann die Framerate und Auflösung für den ATEM Television Studio HD korrekt einstellen. Dann funzt es – bis man den zweiten Bildschirm abstöpselt, dann konfiguriert Windows 11 alles automatisch neu und falsch. Die manuelle Einstellung der Grafikparameter bleibt nicht erhalten. Eine zuverlässige Video-Ausgabe ist nicht möglich. Betroffen sein können auch LED-Wände und andere Großspielzeuge der Veranstaltungtechnik.

Lösung: Andere Video-Hardware kaufen. Zum Beispiel den Roland V-1HD+ für 680€. Der Television Studio HD ist zwar noch gut, aber weil Windows 11 schlecht geworden ist, kann man den nun wegwerfen.

Vielleicht hilft auch ein Signalwandler wie der gute alte Decimator, allerdings bräuchte man bei mehreren Windows-Rechnern dann mehrere davon, und drei Stück sind schon teurer als ein neuer Switcher. Billige EDID-Manager-Zwischenstecker scheinen keine Framerates vorgeben zu können, oder nur 30/60Hz, keine 25/50. Auch eine bei mir vorhandene, etwas bessere HDMI-Matrix kann nur die Auflösung, nicht aber die Framerate vorgeben.

Halbe Hoffnung: Vielleicht gibt es aber auch ein Windows-Voodoo, das ich noch nicht kenne – was aber auch nur eingeschränkt nützlich wäre, da es ggf. auf Laptops des Kunden nicht anwendbar ist, da dieser auf seinem Firmen-Rechner keine vollen Zugriffsrechte hat.

Wer eine bessere Idee hat: Die Kommentare sind geöffnet.